Jeder überlegt sich für sich ein persönliches „Genusswort“, also ein Wort, das er oder sie mit positiven Gefühlen und Erinnerungen verbindet, z.B. Badewanne. Dieses Wort wird dann der Reihe nach im Kreis genüsslich und voller Vorfreude ausgesprochen. In den nächsten beiden Runden wird der Ausdruck weiter gesteigert.

Dann sucht sich jeder ein für ihn bzw. sie negativ besetztes Wort aus („Hasswort“). Dieses Wort wird der Reihe nach mit der empfundenen Ablehnung, (z.B. mit Hass oder Ekel) im Kreis ausgesprochen. Auch hier mindestens drei Runden machen, damit das Wort gesteigert werden kann.

Reflexion: Was ist den TN einfacher gefallen? Die SL moderiert einen Austausch darüber in der Gruppe. Meiner Erfahrung nach fällt es den meisten Menschen einfacher dem negativen Wort Ausdruck zu verleihen. Zumindest wenn die Emotion stark ausgespielt werden soll (in der dritten Runde), haben viele TN eher ein Probleme damit, dass Wort lustvoll auszusprechen, als es ablehnend zu äußern. Vielleicht liegt das daran, dass ein lustvoll ausgesprochenes Wort bei maximalem Ausdruck häufig so hingebungsvoll klingt, dass es fast sexuell wirkt (und damit ein Tabu ist).

Dann wird darüber gesprochen, wie wir vorgegangen sind. Wie haben wir es erreicht, das ein Wort genussvoll klingt? Wie signalisieren wir paraverbal Ablehnung? Welche Techniken wurden genutzt: Dabei kann es helfen, auf folgende Aspekte einzugehen: Sprechgeschwindigkeit, sanfte oder gepresste Stimme, Körperspannung, Gesichtsmimik, etc.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Das in der ersten Runde gewählte Genusswort wird abwertend ausgesprochen. Der Impuls geht der Reihe nach im Kreis um und jede*r spricht nur das eigene Wort. Auch hier wird der Ausdruck (also die Intensität der Ablehnung) in den nächsten beiden Runden weiter gesteigert. Dann wird das Hasswort genüsslich ausgesprochen, auch wieder in drei Runden mit sich steigerndem Ausdruck. Die Übung funktioniert auch gut mit ganzen Sätzen (z.B. Ich liebe… Ich hasse…)

Wie haben wir es geschafft, zu schauspielern, also letztendlich uns selber zu belügen? Wie können wir ein Wort, dass wir doch ablehnen, genüsslich sprechen? Das ist sehr wichtig für uns beim Theater, denn wenn wir andere Rollen spielen, sollte unsere persönliche Einstellung möglichst nicht auffallen.

Strategien:

Strategie Kontextänderung: Ich interpretiere den Begriff neu, sodass er in das vorgegebene Setting passt. Wenn ich meine Arbeit nicht mag, denke ich z.B. an die Aspekte, die mir an meiner Arbeit gefallen. Ich erfreue mich beim Tauchen in den Korallenriffen an einem bunten “Fisch!”, anstatt mir das stinkende Lebewesen auf meinem Teller vorzustellen.

Strategie Transformation des Subjekts: Ich stelle mir vor, ich wäre eine andere Person, die dem Begriff mit einer anderen Haltung gegenübersteht. Dabei kann ich mich von Personen inspirieren lassen, die ich gut kenne. Zum Beispiel erzählte mir ein Freundin letztens begeistert, dass sie ihre “Steuererklärung” (dank eines Computerprogramms) jetzt super gerne macht. Wenn “Steuererklärung” also mein Hasswort ist, denke ich einfach an diese Situation und stelle mir vor, dass ich sie wäre.

Strategie rein technisch: Ich habe analysiert (vielleicht auch unbewusst), welche Charakteristika ein Genusswort hat und wie ich sprachlich Ablehnung zum Ausdruck bringe. Diese Technik wende ich nun an, um das vorgegebene Wort in der entsprechenden Emotion wiederzugeben. Dabei mache ich mir möglichst keine Gedanken über den Inhalt. Es kann helfen, zuvor Übungen mit viel Ausdruck (Hmm und Mhh mit Subtext, Zungenbrecher mit Emotionen, Zahlensprache,…) zu machen.

Die Strategien können auch gemischt werden. Welche Strategien wir wählen hängt von persönlichen Vorlieben ab.


© 2017-2026 Julian Repke. Alle Rechte vorbehalten.

Impressum