Bei einer Inszenierung ergibt sich häufig das Problem, dass die Spieler nur stumpf ihren Text runterrasseln:

Dabei ist es für die Spannung sehr wichtig, sich in die Figur einfühlen. Was denkt und fühlt meine Figur gerade? Welche Auswirkungen hat das?

Der Drehpunkt ist der Moment in dem die Figur auf der Bühne von einer Haltung in eine andere wechselt. Dies geschieht auf Grund eines Impulses, der von außen oder aber von innen kommen kann. Es kann also das Klingeln des Telefons oder ein plötzlicher Gedanke der Figur sein. Für das Spiel ist es wichtig, diesen Drehpunkt auszuspielen. Häufig werden diese Momente zu schnell gespielt, oder aber das neue Gefühl (der Impuls dazu) wird vorweggenommen. Vorübungen zu diesem Thema sind die Übungen zu den Themen Haltung und Impuls.

Wenn die Spieler dazu angehalten werden, die Haltungen und die Drehpunkte deutlich auszuspielen – vielleicht sogar zunächst mit einem Freeze - kann ihnen so ein ausdrucksstarkes Spiel gelingen.

Es kann sinnvoll sein, die Szene zunächst ohne Vorgaben spielen zu lassen, damit der Unterschied deutlicher wird.

Textvorlage A: Hast du Geld? B: Nein. – Aber ich kann was besorgen. A: Schnell.

Spiel mit unterschiedlichen Geschichten und unterschiedlichem Status:

A als Erpresser, Bettler, kleine oder große Schwester, Drogensüchtiger, auf dem Schulhof B: klein, ängstlich, einer, der dazu gehören möchte oder arrogant, seine Macht auskostend

Geschichte und Figuren ausführlich entwickeln! Figuren deutlich machen, bevor das erste Wort gesprochen wird. Drehpunkte (DP) festlegen und beachten, deutlich ausspielen.

Beispiel: A und A: zwei coole Typen auf dem Schulhof – B: ist schüchtern, ängstlich - möchte dazu gehören

AA stehen auf dem Schulhof – coole Haltung, herablassender Blick zu B

B zögert deutlich - traut sich nicht sofort zu AA hin.

  1. DP     B entscheidet sich,  es jetzt zu tun B geht vorsichtig auf AA zu

  2. DP      AA registrieren B – AA kurzer Blickkontakt

  3. DP      AA bauen sich vor B auf, grinsen: A: Hast du Geld? 

  4. DP      B ist überrascht- sucht - enttäuscht – muss die Frage verneinen. „Nein … – „ eigentlich alleine schon 5 Wendepunkte

  5. DP      AA wenden sich ab , gehen ein paar Schritte von B weg

  6. DP      B überlegt, hat eine Idee. „…aber …“

  7. DP      AA erstarren, drehen sich langsam wieder um, nähern sich wieder - blickt fragend zu B 

  8. DP      B voller Hoffnung, dass sein Angebot ankommt „… ich kann was besorgen“ .

  9. DP      AA schauen erstaunt auf B – schauen sich gegenseitig an – dann wieder zu B

10.DP     A aggressiv „Schnell“

11.DP     B empfindet dies als positiv, geht schnell ab.

Subtext: Bei dieser Übung kann man auch den Subtext einführen. SL oder aber die Spieler selbst, bzw. ein „Schatten“ spricht die Gefühle und Gedanken der Spieler ein. Diese versuchen diese Einwürfe körperlich umzusetzen.

So kann in unserer Szene B zwischen dem 3. DP und dem 4. DP denken:

Erstaunen: Geld? Wieso wollen die Geld? Ich wollte doch nur dabei sein. Hoffnung: Aber wenn ich ihnen was gebe, dann darf ich dazu gehören. Sorge: Aber habe ich auch was? Schnell nachschauen! Rechte vordere Tasche? Nichts! Links? Nichts! Hinten? Auch nichts! Enttäuschung und Verzweiflung: Oh Scheiße, ich habe kein Geld! Resignation: Ich muss es ihnen sagen und dann lassen sie mich nicht mitspielen. Text: „NEIN“ …

All diese inneren Vorgänge kann B zwischen der Frage „Hast du Geld“ und seiner Antwort: „Nein.“ spielen.


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